Archiv für die Kategorie ‘Allgemein’

Das Mutterpass-Heftchen: Ein Nachruf

Dienstag, 03. September 2019

Der Mutterpass wurde in Deutschland 1961 eingeführt. Seit fast 60 Jahren gibt es nun das kleine hellblaue Heftchen, in das die wichtigsten Untersuchungsergebnisse der Mutterschaftsvorsorge eingetragen werden. Hin und wieder  gab es mal die eine oder andere Neuerung, aber im Großen und Ganzen ist der Mutterpass geblieben, was er schon immer war: ein kleines Büchlein, mit Laboraufklebern und oft unleserlichen handschriftlichen Eintragungen.

Nüchtern betrachtet ist das gute alte Mutterpass-Heftchen in die Jahre gekommen und will in ins digitale Zeitalter nicht mehr recht passen. Der Mutterpass 2.0 – internetfähig und Smartphone-kompatibel – steht schon längst in den Startlöchern.

Auch wenn es viele gute Argumente für einen Online-Mutterpass gibt, der künftig natürlich auch ausgedruckt in die Handtasche passen wird, ist mein persönlicher Abschied vom analogen Heftchen etwas wehmütig. Denn der Mutterpass ist ja mehr als nur die schriftliche Dokumentation medizinischer Untersuchungsergebnisse.

Noch bevor sich bei der werdenden Mutter der Bauch wölbt, ist der Mutterpass der sichtbare Beweis der Schwangerschaft, er ist Halt und Hoffnung in der ersten Zeit der Unsicherheit. Man kann ihm ein selbst genähtes Mäntelchen anziehen, ihn mit Notizzetteln, Rezepten und Ultraschallbildern vollstopfen und die Kaffeetasse darauf abstellen. Am Ende einer Schwangerschaft hat das Leben auch auf dem Mutterpass seine Spuren hinterlassen und ihm einen ganz besonderen ideellen Wert gegeben. Ich bin gespannt, ob der Online-Mutterpass da mithalten kann …

Online-Dokumentation der Mutterschaftsvorsorge über FetView

Verkehrswende: Auto im Dornröschenschlaf

Sonntag, 07. Juli 2019

Corvette_klVor einiger Zeit habe ich mir ein E-Bike gekauft. Auch ich wollte mit provozierend entpanntem Lächeln die Berge hochfahren. Es war eine lohnenswerte Investition in Lebensfreude und natürlich auch ein kleiner persönlicher Beitrag zur Verkehrswende. Mein Auto steht nun tagelang ungenutzt und verstaubt am Straßenrand. Je dreckiger mein Auto, desto reiner mein Umwelt-Gewissen.

Doch nun musste ich erkennen, dass alles noch viel besser geht. Bei einer meiner Touren durch die Stuttgarter Halbhöhen-Idylle habe ich ein wunderbares Auto entdeckt: seit Monaten (Jahren?) unbenutzt, malerisch überwuchert, eine mustergültig umweltfreundliche Version von Ami-Schlitten, eine Corvette im Dornröschenschlaf. Da kann mein staubiger Kleinwagen einpacken! Ich sehe schon, ich muss noch lange in die Pedale treten.

Tatü tata … Alarm in der Königstraße 70!

Freitag, 12. April 2019

Tatü tata … na, war das eine Aufregung gestern Nachmittag! Tatü tata … „Mal wieder irgendeine Demo.“ dachte ich erst. Doch ein Blick aus dem Fenster stellte klar: Das ist heute was Größeres.

Löschzüge über Löschzüge rücken an, Blaulicht flackert durch die Praxisräume, Rettungswagen werden bereitgestellt und eine gefühlte Hundertschaft von Polizisten sperrt weiträumig das Gelände ab. Als schließlich eine Drehleiter der Feuerwehr ausgefahren wird, eine verzweifelte Patientin anruft, sie dürfe das Gebäude nicht betreten, wird es uns etwas mulmig.

Tatü tata … wir evakuieren die Praxis. Daten sichern, Computer runterfahren, persönliche Wertgegenstände mitnehmen und ab geht es im Gänsemarsch durchs Treppenhaus vorbei an Männern mit Gasmaske raus an die frische Luft. Personalien werden aufgenommen. Meldung: fünfter Stock vollständig geräumt.

Wir mischen uns unter die Schaulustigen. Der Rest ist Warten und Rätselraten. „Ungeklärte Rauchentwicklung im dritten Stock“ heißt es. Heimliche E-Zigarette auf dem Klo? Zuviel Power beim Augenlasern? Toastbrot angebrannt?

Nach etwa zwei Stunden ist alles vorbei. Alleingelassen mit unseren Fragen kehren wir zurück in die Praxis. Computer werden neu gestartet, das Wartezimmer füllt sich, die Sprechstunde läuft. Alltag. Ab und zu jedoch kehren die Gedanken zu den Aufregungen des Nachmittags zurück. Tatü tata … wie war das alles noch?

 

Kunst im Wartezimmer – Teil 2

Sonntag, 06. Januar 2019

Wartezimmerkunst_klNach „Bunter Lastwagen mit Krickelkrackel“ haben wir nun noch ein weiteres Wartezimmerkunstwerk vor dem Papierkorb gerettet. Auch „Mann mit Rasenmäher und Pferdestudie“ ist eine kleine Betrachtung wert.

Auffällig sind der kräftige und selbstbewusste Strich wie auch die Detailgenauigkeit des Rasenmähers. Ein bisschen liegt die Vermutung nahe, dass sich der männliche Begleiter einer Patientin hier selbst verewigt hat. Vielleicht um dem Kind, das es im Wartezimmer zu beschäftigen gilt, Papas fleißige Arbeit im Garten nahe zu bringen?

Auch die Pferdeskizze zeigt in der anmutigen Biegung des Halses und der klaren Kontur der Backenknochen eine im Zeichnen geübte Hand. An den Pferdebeinen muss allerdings noch ein wenig gearbeitet werden – wenn ich das mal so direkt sagen darf. Die Beine sind aber auch echt das schwerste! Dafür ist die prächtig runde Hinterbacke durchaus gelungen. Ich selbst bin nie über „Pferdekopf mit ein bisschen Hals dran“ hinaus gekommen.

Der Künstler – die Künstlerin? – bleiben ungenannt und nehmen es mir hoffentlich nicht übel, dass ich ohne zu fragen (wen auch?) das private kleine Werk ans Licht der Öffentlichkeit zerre.

Gorillas first!

Dienstag, 27. November 2018

Gorilla Mpenzi_Zoo_BerlinSeitdem der allgemeine Egotrip die große und kleine Politik bestimmt, muss man sich um den Frieden in der Welt ernsthaft Sorgen machen. Ein Rätsel ist mir der Erfolg all derjenigen, die ausgrenzen, spalten und Zwietracht säen. Manchmal habe ich schon gar keine Lust mehr die Zeitung aufzuschlagen.

Vor einigen Wochen jedoch gab es in Spiegel-„offline“ eine Meldung, die mir wieder Hoffnung macht:
Gorillamännchen, die beim Kinderhüten helfen, haben bessere Chancen bei den Weibchen. Verhaltensforscher haben festgestellt, dass Gorillaweibchen weniger auf Muskeln und martialisches Auftreten stehen, sondern auf kinderliebe Männchen, die sich regelmäßig um den Nachwuchs kümmern.

Wenigstens bei den Affen scheint die Welt noch in Ordnung zu sein und „Ich! Ich! Ich!“ nicht das oberste Prinzip.

(Bild: ©Zoo Berlin)

Extaaaaaaaaase! Ausstellung im Kunstmuseum

Montag, 22. Oktober 2018
Otto Dix_Tänzerin_kl

Otto Dix, Tänzerin

Ich finde ja, in meinem Alltag kommt die Extase irgendwie zu kurz. Ich könnte mir natürlich einen Rausch antrinken, auch sonstige Verzückungen aller Art sind denkbar, aber Extase?

Laut Programmheft der aktuellen Ausstellung im Kunstmuseum, bezeichnet „Extase“ einen Zustand des „Außer-Sich-Seins“. Vielleicht bin ich ja einfach lieber in mir als außer mir? Ein „bisschen Extase“ jedoch, ein bisschen Kontrollverlust und  Ausbruch aus dem geregelten Alltag – das klingt natürlich durchaus verlockend!

Wer sich die Ausstellung Extase im Kunstmuseum ansieht, kann schon ein wenig ins Grübeln kommen. Zum Vergnügen beim Ansehen extatischer Zustände Anderer gesellt sich unweigerlich das Gefühl eigener Erdenschwere. Insofern ist die Ausstellung wirklich gelungen!

Kunstmuseum Stuttgart: Extase (29.9.2018 – 24.2.2019)

Grippeschutzimpfung auch für Schwangere

Montag, 08. Oktober 2018

Grippeschutzimpfung, InfluenzaEigentlich würde ich ja lieber etwas über Frühlingsgefühle schreiben, aber wir müssen den Tatsachen ins Auge blicken und sollten den Stier bei den Hörnern packen. Das Thema der Saison heißt Grippeschutzimpfung und die alljährliche Frage lautet „Impfen ja oder impfen nein?“

Die Antwort aller Ärzte, Gesundheitsorganisationen und Krankenkassen ist eindeutig: Impfen ja. Empfohlen wird die Impfung gegen die saisonale Grippe für ältere Menschen, für chronisch Kranke und für all diejenigen, die mit vielen Menschen zusammenkommen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut empfiehlt die Impfung gegen Influenza ausdrücklich auch für Schwangere.

Es ist ein gutes Gefühl, gesundheitsbewusst und wohl gerüstet in die kalte Jahreszeit zu starten und so bieten wir ab sofort allen unseren Patientinnen – insbesondere den werdenden Müttern – die Impfung gegen die saisonale Influenza an.

www.impfen-info.de

(Bild: ©iStockphoto.com_Blue_Cutler)

Qualitätsmanagement: Wir sind re-re-re-zertifiziert!

Montag, 16. Juli 2018

QEP_Logo_klWas das Qualitätsmanagement angeht, sind wir ja mittlerweile alte Hasen. Vor 9 Jahren zertifiziert, alle drei Jahre überprüft und nun also re-re-re-zertifiziert. Ja, ja, ja, das hört sich etwas albern an. Dabei ist das „re-re-re“ eine echte Herausforderung!

Eine Re-re-re-Zertifizierung erhält, wer Durchhaltevermögen, Zähigkeit und einen langen Atem hat. Re-re-re-zertifiziert wird, wer sich von bürokratischen Neuregelungen nicht entmutigen lässt, wer die steigende Anzahl der Leitzordner mit Humor zur Kenntnis nimmt und sich nicht im Gestrüpp von Checklisten und Arbeitsanweisungen verliert.

Wie schon drei Jahre zuvor bei der Re-re-Zertifizierung freuen wir uns über die erneute Auszeichung und nehmen das Re-re-re als dreifaches Hurra aufs Team!

Datenschutz, Datenschutz, Datenschutz!

Sonntag, 03. Juni 2018

Hatten Sie in den letzten Wochen auch so viele E-Mails zum Datenschutz bekommen? Ihre-Daten-sind-uns-wichtig-Erklärungen, Wir-können-auch-alles-wieder-löschen-Versicherungen und Lesen-Sie-sich-bitte-folgende-10-Seiten-durch-Empfehlungen …

Das Inkrafttreten der Europäischen Datenschutzgrundverordnung Ende Mai hat bei allen Unternehmen, Verbänden und Vereinen hektische Betriebsamkeit ausgelöst. Was für mich im Privaten eine gute Gelegenheit war, mich von lästigen Newslettern zu befreien, ist beruflich allerdings zum Haare raufen!

Natürlich ist auch uns der Datenschutz wichtig. Die Schweigepflicht für Ärzte und Praxismitarbeiter hat es schon immer gegeben und ist gewissermaßen heilig. Nun aber droht der Datenschutz vor lauter Bürokratie aus allen Nähten zu platzen. Wer es genau wissen will, kann gerne mal auf den Text der EU-DSGVO direkt klicken.

Wichtig für unsere Patientinnen, die wir nun immer häufiger um Einwilligungserklärungen und Schweigepflichtsentbindungen bitten müssen, sind die folgenden Informationen unserer Praxis:

Patienteninformation zum Datenschutz

Frauenbild der 60er-Jahre:
Ewigkeiten her?

Mittwoch, 04. April 2018

AusstellungVor kurzem war ich in der 60-er Jahre-Ausstellung im Haus der Geschichte. Eine überschaubare und kurzweilige Präsentation, lohnenswert und voller Begegnungen mit vergessen geglaubten Parolen, Rhythmen und Moden: Notstandsgesetze und Vietnamkrieg, Beatmusik und E-Gitarre, Minirock und Maxikleid – Ewigkeiten her!

Nettes Ausstellungsstück: Anovlar 21, die Anti-Baby-Pille aus dem Jahr 1964. Ein echter Hormonhammer – verglichen mit der Pille von heute. Ein Hammer auch die damalige Verschreibungspraxis. Die Verhütungspille gab es nur für Frauen, die schon Kinder hatten und verheiratet (!) waren.

Die Sorge der Ärzte/Männer/Politiker um die sexuelle Moral war groß und das Frauenbild – sagen wir mal – „schräg“. Wer weiß, was Frauen alles anstellen, wenn sie erstmal losgelassen … Was war das nur für eine bizarre Vermischung von ärztlicher Betreuung und moralischer Bevormundung erwachsener Frauen? Ewigkeiten her und heute kaum mehr vorstellbar!

Ewigkeiten her? Heute kaum mehr vorstellbar? Betrachten wir doch mal die aktuelle Diskussion um den § 219a StGB – dem so genannten „Werbeverbot für Abtreibungen“. Allein die Information über das Leistungsspektrum einer Praxis gilt als Werbung und ist verboten. Demzufolge hat es eine Frau in Not, die sich eigenständig und ausführlich informieren will, selbst im Zeitalter des Internets unnötig schwer. Informationen gibt es nur über die Beratungsstellen. Eigenständigkeit ist nicht gewollt, Bevormundung sehr wohl.

Über das Frauenbild von 1964 kann ich gerne lachen. Geschenkt. Ewigkeiten her. Aber im Jahr 2018 sind wir weiter und die Bevormundung erwachsener Frauen ist nicht mehr witzig, sie ist einfach absurd.

Die 60er Jahre in Baden-Württemberg


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