Mit ‘Stadtspaziergang’ getaggte Artikel

Hut ab!
Ausstellung im Haus der Geschichte

Montag, 10. Februar 2020

Hut ab_klEine kleine Stippvisite im Haus der Geschichte lohnt sich doch immer wieder. Jetzt gibt es zum Beispiel eine sehr unterhaltsame Ausstellung zum Thema Kopfbedeckungen.

Was auf den ersten Blick vielleicht banal erscheint, ist bei näherer Betrachtung vielschichtig, witzig und überraschend politisch. Pickelhaube und Pudelmütze, Kopftuch und Kriegshelm, Bollenhut und Pussyhat erzählen spannende Geschichten – nicht nur über Menschen und Mode sondern auch über soziale und politische Entwicklungen, über Tradionen, Revolutionen, Kämpfe und Krisen.

Wunderbar ist natürlich auch die Rückbesinnung auf die persönliche Geschichte und die eigenen kratzigen Kindermützen. Erinnerungen an das  leuchtend gelbe Erstklässler-Käppi, an den Schlapphut im Hippie-Style oder den peinlichen Mofa-Helm sorgen für reichlich Gesprächsstoff – unter Umständen für Wochen, ganz bestimmt aber für einen anschließenden Café-Besuch.

Die Ausstellung  dauert noch bis zum 2.8.2020.

Kunstmuseum Stuttgart: Hut ab!

Verkehrswende: Auto im Dornröschenschlaf

Sonntag, 07. Juli 2019

Corvette_klVor einiger Zeit habe ich mir ein E-Bike gekauft. Auch ich wollte mit provozierend entspanntem Lächeln die Berge hochfahren. Es war eine lohnenswerte Investition in Lebensfreude und natürlich auch ein kleiner persönlicher Beitrag zur Verkehrswende. Mein Auto steht nun tagelang ungenutzt und verstaubt am Straßenrand. Je dreckiger mein Auto, desto reiner mein Umwelt-Gewissen.

Doch nun musste ich erkennen, dass alles noch viel besser geht. Bei einer meiner Touren durch die Stuttgarter Halbhöhen-Idylle habe ich ein wunderbares Auto entdeckt: seit Monaten (Jahren?) unbenutzt, malerisch überwuchert, eine mustergültig umweltfreundliche Version von Ami-Schlitten, eine Corvette im Dornröschenschlaf. Da kann mein staubiger Kleinwagen einpacken! Ich sehe schon, ich muss noch lange in die Pedale treten.

Extaaaaaaaaase! Ausstellung im Kunstmuseum

Montag, 22. Oktober 2018
Otto Dix_Tänzerin_kl

Otto Dix, Tänzerin

Ich finde ja, in meinem Alltag kommt die Extase irgendwie zu kurz. Ich könnte mir natürlich einen Rausch antrinken, auch sonstige Verzückungen aller Art sind denkbar, aber Extase?

Laut Programmheft der aktuellen Ausstellung im Kunstmuseum, bezeichnet „Extase“ einen Zustand des „Außer-Sich-Seins“. Vielleicht bin ich ja einfach lieber in mir als außer mir? Ein „bisschen Extase“ jedoch, ein bisschen Kontrollverlust und  Ausbruch aus dem geregelten Alltag – das klingt natürlich durchaus verlockend!

Wer sich die Ausstellung Extase im Kunstmuseum ansieht, kann schon ein wenig ins Grübeln kommen. Zum Vergnügen beim Ansehen extatischer Zustände Anderer gesellt sich unweigerlich das Gefühl eigener Erdenschwere. Insofern ist die Ausstellung wirklich gelungen!

Kunstmuseum Stuttgart: Extase (29.9.2018 – 24.2.2019)

Paternoster fahren im Rathaus: Nervenkitzel im Alltag

Samstag, 29. Januar 2011

paternoster

Eigentlich habe ich ja selten einen Grund ins Stuttgarter Rathaus zu gehen. Meinen Pass verlängere ich am Wohnort und Müllsäcke hole ich woanders. Manchmal jedoch gönne ich mir Am Marktplatz Nummer 1 eine Fahrt mit dem Paternoster.

Ein tolles Ding dieser „Personenumlaufaufzug“! Ein unmögliches Relikt aus alten Zeiten, ein rumpelndes, stromfressendes Ungetüm und sicherheitstechnisch vermutlich eine Katastrophe! Kein Wunder, dass Paternosteraufzüge schon lange nicht mehr gebaut werden dürfen.

Die Gelegenheit zu einer kleinen Nostalgietour sollte man also nutzen, so lange es noch geht. Auch wenn der Paternoster im Stuttgarter Rathaus viele Fürsprecher hat und unter dem persönlichen Schutz des Oberbürgermeisters steht: Er gehört zu den letzten seiner Art, die noch öffentlich zugänglich sind. Auch ihm droht eines Tages das Aus. Wer also den Nervenkitzel im Alltag sucht, wer am eigenen Leib erfahren will, was eigentlich passiert, wenn man den Ausstieg verpasst, muss schneller sein als der TÜV.

Paternoster: Bitte einsteigen!

Stuttgart 21: Waren Sie schon am Bauzaun?

Montag, 16. August 2010

Es stimmt, dass eine Auseinandersetzung mit Stuttgart 21 den Rahmen unseres Praxisblogs sprengt. Es stimmt aber auch, dass sich das eine oder andere Detail rund um das Großprojekt für einen Blogbeitrag eignet – z.B. als kleiner Ausflugstipp:

Waren Sie schon am Bauzaun? An dem Bauzaun, dem aktuellen Aufreger, dem Vorboten der Abrissbagger? Innerhalb weniger Tage ist das Absperrgitter am Nordflügel des Bahnhofs zu einer sehenswerten Plakatwand des Widerstands gegen Stuttgart 21 geworden.

Eine Besichtigung lohnt sich – ganz gleich, wie man selbst zu dem umstrittenen Bahnprojekt steht. Auch Touristen lassen sich schon vor dem kunterbunten Sponti-Kunstwerk der Stuttgart 21-Gegner fotografieren. Wie seinerzeit vor der Berliner Mauer. Hoffen wir nur, dass der Stuttgarter Bauzaun eine kürzere Lebensdauer hat.

Roter-Socken-Weg: Wandertipp für Stuttgart

Freitag, 02. Juli 2010

Eins vorweg: Der „Rote-Socken-Weg“ ist – unabhängig von der politischen Couleur – für alle da. Man muss keine „rote Socke“ sein, um sich den Naturfreundeweg Stuttgart Süd zu erwandern.

Der „Rote-Socken-Weg“ ist das neue Pendant zum schon bekannten „Blaustrümpflerweg“ und lässt sich mit diesem – blau/rot oder rot/blau – prima kombinieren. Der 7 km lange Rundwanderweg führt vom Marienplatz aus in einem großen Bogen rund um die Neue Weinsteige.

Wer sich für Stuttgarts Stadtgeschichte interessiert, wer die uralten Mammutbäume im Landschaftspark Wernhalde noch nicht kennt, wer wissen möchte, wo es in Stuttgart seinerzeit eine echte Rodelbahn gab oder wo sich denn nun die berühmte „Schillereiche“ befindet, sollte sich – mit oder ohne rote Socken – auf den Weg machen.

Roter-Socken-Weg, Karte und Infos

Stuttgarter Schweinemuseum: zum Quieken!

Dienstag, 22. Juni 2010

Wahrscheinlich liest das wieder mal kein Schwein. Aber ich hätte da einen sauguten Tipp für Tage, an denen das Wetter mal nicht so rosig ist:

Vor kurzem wurde im alten Stuttgarter Schlachthof das „Schweinemuseum“ eröffnet und das ist – mit oder ohne kleine Ferkel – einen Familienausflug wert! Der Streifzug durch die borstige Kulturgeschichte erfreut Groß und Klein. Mit viel Witz und Liebe zum Detail werden skurile Schweinereien aus aller Welt präsentiert.

Auch das Drumherum im historischen Gebäude stimmt: Wer nach dem Museumsgang Hunger auf Schweinshaxe oder Spanferkel bekommt, hat es nicht weit zum Trog. Gegrunzt und geschmatzt wird drinnen und draußen. Der große Biergarten ist täglich geöffnet – man muss halt nur Schwein mit dem Wetter haben!

www.schweinemuseum.de

Sarotti-Mohr: Vom schwarzen Diener zum geheimnisvollen Magier

Freitag, 30. April 2010

Auf dem Weg zur Praxis begrüßt mich seit einigen Wochen ein schwarzer Diener – Werbefigur eines kleinen Antiquitätengeschäfts. Jeden Morgen steht er neben der Ladentür. Käppi, Livrée und Fliege, die schwarzen Hände weiß behandschuht – da freut sich der Kolonialherr. Ein „Deko-Neger“. Political nicht gerade correct, aber ein echter Hingucker.

Bei der Gelegenheit: Was macht eigentlich der gute alte Sarotti-Mohr? Ja, das kleine Mohrenkind, die werbewirksame Symbolfigur einer Berliner Schokoladenfabrik, hat sich erstaunlich lange gehalten. Entworfen gegen Ende des Ersten Weltkrieges, eingetragenes Markenzeichen seit 1922, hat der knuddelige schwarze Kerl mit den Kulleraugen erst vor wenigen Jahren sein Äußeres gewandelt.

Im Jahr 2004 verpassten die Marketing-Experten der Stollwerk-AG den Produkten der Marke Sarotti ein neues Logo. Möglicherweise als Reaktion auf die Kritik, die Mohrenfigur verkörpere das rassistische Stereotyp des „dienstbaren Negers“. Auch „Negerküsse“ und „Mohrenköpfe“ haben schließlich ihre Unschuld verloren.

Mit dem Zeitgeist hat sich auch unser Sarotti-Mohr gewandelt. Aus der schwarzen Dienerfigur ist ein moderner Magier geworden. Reklametechnisch gesehen eine raffinierte Metamorphose. Pluderhose und Turban sichern den Wiedererkennungswert, der orientalische Zauber blieb erhalten. Der kleine Mohr ist erwachsen geworden und die bekannteste Figur der deutschen Werbegeschichte politisch korrekt.

Stuttgarter Hafen: Hinaus in die weite Welt!

Mittwoch, 24. März 2010

Ganz schön lang so eine lange Nacht der Museen. Selbst wer nicht bis zum frühen Morgen durchhält, braucht Tage, um sich zu erholen. Doch jetzt ist Zeit für eine kleine Nachlese.

Der nächtliche Streifzug quer durch die quirlige Stadt hat sich wieder mal gelohnt. Ich zum Beispiel bin nach „Tour Neckar“ und „Tour Hafen“ um einige Erfahrungen reicher geworden. So weiß ich jetzt, dass Stuttgart – „die Stadt zwischen Wald und Reben“ (Stuttgart Marketing) – in Wirklichkeit eine echte Hafenstadt ist. Von wegen piefige Provinz und biedere Schwabenmetropole!

Stuttgarts Hafen verbindet nämlich die beschauliche Landeshauptstadt direkt mit den bedeutenden Seehäfen und großen Wirtschaftszentren. Container-Terminal, Umschlagbahnhof und Überseebecken lassen erahnen, dass es von hier aus in die weite Welt geht. Immer nur dem Neckar nach. Wer hätte das gedacht.

Reeperbahn-Charme auf dem Hafengelände sucht man allerdings vergeblich. In der Hafenspelunke schlotzt man brav sein Viertele und heuert auf keinem Bananendampfer an. Wer hier betrunken vom Barhocker rutscht, findet sich am nächsten Morgen in der Notaufnahme des Marienhospitals wieder und nicht als Zwangsmatrose auf hoher See. Shanghai ist anderswo. Stuttgart hat eben seinen eigenen Reiz. Ganz besonders bei Western-Swing und Hillybilly-Klassikern in lauer Abendluft – eben bei der langen Nacht der Museen.

Die nächste lange Nacht der Museen gibt es am 9. April 2011. Vormerken!

Stuttgart 21: Time to say good bye!

Sonntag, 14. März 2010

Stuttgart 21 kommt. Das wissen wir und jeder wird seinen Platz in den Reihen der Befürworter, Gegner oder irgendwo dazwischen gefunden haben. Ganz gleich ob dafür oder dagegen: Stuttgart 21 ist ein Riesenspektakel und wir sitzen in der ersten Reihe – mehr oder weniger glücklich. Es dauert nicht mehr lange, bis Abrissbirne und Bagger mit dem sogenannten Jahrhundertprojekt beginnen. Es wird also Zeit, vom alten Kopfbahnhof Abschied zu nehmen.

Investiert wurde schon lange nichts mehr in den alten Bonatz-Bau. Vieles hat sich erhalten, was andernorts schon längst wegmodernisiert wurde. Hölzerne Prellböcke etwa oder adrett gekachelte Schaffnerhäuschen mit altmodischen Telefonen. Fast fühlt man sich in die Zeit zurückversetzt, in der Bahnsteige noch „Perron“ hießen und die nur betreten durfte, wer zuvor auch eine Bahnsteigkarte gekauft hatte.

Am alten Stuttgarter Hauptbahnhof hat sich eine besondere Art von Industrie- und Technikmuseum entwickelt, dem man durchaus noch mal einen Besuch abstatten sollte. Ein kleiner Streifzug durch die altehrwürdigen Hallen, durch düstere unterirdische Gänge und vorbei an rostigen Gleisanlagen lohnt sich. Immerhin geht – technisch und architektonisch – eine Ära zu Ende. Time to say good bye!


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