Mit ‘Werbeverbot’ getaggte Artikel

Frauenbild der 60er-Jahre:
Ewigkeiten her?

Mittwoch, 04. April 2018

AusstellungVor kurzem war ich in der 60-er Jahre-Ausstellung im Haus der Geschichte. Eine überschaubare und kurzweilige Präsentation, lohnenswert und voller Begegnungen mit vergessen geglaubten Parolen, Rhythmen und Moden: Notstandsgesetze und Vietnamkrieg, Beatmusik und E-Gitarre, Minirock und Maxikleid – Ewigkeiten her!

Nettes Ausstellungsstück: Anovlar 21, die Anti-Baby-Pille aus dem Jahr 1964. Ein echter Hormonhammer – verglichen mit der Pille von heute. Ein Hammer auch die damalige Verschreibungspraxis. Die Verhütungspille gab es nur für Frauen, die schon Kinder hatten und verheiratet (!) waren.

Die Sorge der Ärzte/Männer/Politiker um die sexuelle Moral war groß und das Frauenbild – sagen wir mal – „schräg“. Wer weiß, was Frauen alles anstellen, wenn sie erstmal losgelassen … Was war das nur für eine bizarre Vermischung von ärztlicher Betreuung und moralischer Bevormundung erwachsener Frauen? Ewigkeiten her und heute kaum mehr vorstellbar!

Ewigkeiten her? Heute kaum mehr vorstellbar? Betrachten wir doch mal die aktuelle Diskussion um den § 219a StGB – dem so genannten „Werbeverbot für Abtreibungen“. Allein die Information über das Leistungsspektrum einer Praxis gilt als Werbung und ist verboten. Demzufolge hat es eine Frau in Not, die sich eigenständig und ausführlich informieren will, selbst im Zeitalter des Internets unnötig schwer. Informationen gibt es nur über die Beratungsstellen. Eigenständigkeit ist nicht gewollt, Bevormundung sehr wohl.

Über das Frauenbild von 1964 kann ich gerne lachen. Geschenkt. Ewigkeiten her. Aber im Jahr 2018 sind wir weiter und die Bevormundung erwachsener Frauen ist nicht mehr witzig, sie ist einfach absurd.

Die 60er Jahre in Baden-Württemberg


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